Dienstag, 9. November 2010

Veränderte Zeiten

Damals war alles anders. 

Doch heißt das auch automatisch, dass damals alles besser war? Viele ältere Menschen behaupten genau das, wenn sie sich wehmütig an alte, längst vergangene Zeiten zurückerinnern. Doch auch die jüngeren Leute werden nostalgisch, wenn sie sich gedanklich in die Zeit ihrer Kindheit zurückversetzen, in der das Leben noch so herrlich unbekümmert, locker und leicht war. Denke ich an meine eigene Kindheit zurück, so kam mir diese wie ein langer, unbeschwerter Sommer vor, der nie ein Ende zu nehmen schien. Auch wenn es sicherlich auch damals schon die ein oder andere Gewitterwolke gab, so kann ich mich an diese heute kaum noch erinnern. 
Ich bin überzeugt davon, dass eine glückliche Kindheit das größte und wundervollste Geschenk ist, das Eltern ihrem Kind machen können. Meine Eltern gaben mir dieses einzigartige, fabelhafte Geschenk, worüber ich heute überglücklich und unendlich dankbar bin.

Es gibt da ein tolles Zitat von Jean Paul: 
"Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes  Leben hindurch für die kalte Welt haushalten."
Für mich ein bemerkenswertes, ganz besonderes Zitat. Ein Zitat, in dem soviel Wahrheit drinsteckt. 
Manchmal glaube auch ich, ohne meine Lebensfreude die kalte Welt da draußen nicht aushalten zu können. Eine Lebensfreude, die ihren Ursprung in der Kindheit hatte. Denn damals lernte ich, was Glück bedeutet und dies habe ich bis heute nicht verlernt. 

An manchen Tagen habe ich allerdings das Gefühl, es verlernt zu haben. Dann suche ich das Glück vergebens. Doch ich weiß, das es noch immer da ist. Tief in mir drin. Und wenn ich daran glaube, kommt es auch immer wieder zum Vorschein. Immer wieder und wieder.



In den letzten zwei Tagen fühlte ich mich besonders gut. Dabei gab es dafür eigentlich gar keinen Anlass. Wahrscheinlich liegt es aber daran, dass es diese Woche etwas ruhiger zugeht als in den Wochen zuvor. Keine Klausuren, kein Stress, keine Überstunden. Und endlich mal wieder etwas Zeit, um mit Freunden zu sprechen und ein wenig herumzualbern, anstatt sich immer nur strikt auf die Arbeit zu konzentrieren. Das muss eben auch mal sein. Und ich bin froh, dass die Sorgen dadurch ein bißchen in den Hintergrund gerückt und meine Gedanken wieder in eine fröhliche, entspanntere Richtung abgedriftet sind.


Im Übrigen freue ich mich auch sehr über zwei neue Leser, die ich recht herzlich auf meinem Blog begrüssen möchte.
Ich hoffe sehr, dass euch meine Texte gefallen und bin für Kritik jeglicher Art jederzeit offen.


Heute unterhielt ich mich mit einigen netten Leuten darüber, was sich in den letzten Jahren alles veränderte. Das war natürlich jede Menge. 

Damals war also alles anders. Und besser. Wirklich?

Damals gab es noch keine Handys und auch kein Internet. Die Menschen mussten auf andere Art und Weise miteinander kommunizieren. Heute hingegen ist all das normal. Es ist normal, dass man eine Person nicht mehr ansprechen, sondern einfach anschreiben braucht. Es ist normal, dass man in sozialen Netzwerken sein halbes Leben oder zumindest einen großen Teil davon zur Schau stellt. Es ist normal, dass man nur noch E-Mails und persönliche Nachrichten tippt, anstelle eines Briefes, dessen Zeilen man mit eigener Hand und Tinte zu Papier gebracht hat. Es ist normal, dass man kaum noch wirklich schreibt, weder Briefe noch Tagebücher. Ich habe früher sehr gerne Tagebuch geschrieben. Ich schrieb und schrieb und schrieb... Und heute habe ich eine ganze Sammlung Bücher, in denen all meine Gedanken und Gefühle, die ich als junges Mädchen hatte, aufgezeichnet sind. Heute ist auch das anders. Schon die Jüngsten treiben sich im Internet herum, um persönliche Dinge aus ihrem Leben preiszugeben. Ich habe das Gefühl, dass die Privatsphäre immer mehr schwindet. 
Und manchmal frage ich mich ernsthaft, wohin das führen soll? Wie wird sich all das weiterentwickeln?
Das weiß keiner so richtig. Wir müssen abwarten und schauen, was die Zeit bringt. Denn nur die allein wird zeigen, wie es kommt und was geschehen wird.

 Ist es nun gut oder schlecht, dass wir heute durch die vielen, verschiedenen Medien mehr Möglichkeiten haben? 
Sicherlich hat es jede Menge Nachteile. Doch wegzudenken sind Foren, Blogs und soziale Netzwerke aus unserem Leben auch nicht mehr. Das müssen wir zugeben. Und irgendwie bin ich wirklich sehr froh, dass uns diese Möglichkeiten zustehen.

Damals war alles besser, behaupten die meißten Menschen. Doch das heißt wirklich nicht, dass es tatsächlich auch so war. In jeder Zeit gab es Krisen. Auch in unserer Zeit gab es Krisen und es wird auch in den kommenden Zeiten immer wieder Krisen geben.
Doch wir dürfen dabei nicht vergessen, dass diese Krisen auch immer wieder vorbei gegangen sind. Es gab schlimme Zeiten. Fürchterliche Zeiten. Doch wir haben sie überlebt. Es ging immer weiter. Und es wird weiter gehen.
Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten und wir stecken mittendrin. 
Doch diese Zeit hat auch etwas Gutes. Jede Zeit hat etwas Gutes. 


Ich halte es jedoch für wichtig, dass wir uns nicht komplett in den hochmodernen Medien verlieren und vielleicht noch ab und zu mal einen Brief schreiben. Und nein, ich meine nicht den Brief, den man mal eben in WORD eintippt. Nein, ich meine einen richtigen, handgeschriebenen Brief. Ein echter Brief. Vielleicht für eine echte Freundin oder einen echten Freund. 
Ich bin sicher, dass sich jeder darüber freuen würde. Ganz sicher.


Kommentare:

  1. Ich finde "realen Kontakt" durchaus sehr wichtig. Vorallem, nachdem ich Menschen kennen gelernt haben, die darauf gänzlichern verzichten würden und sich am liebsten in ihre Onlinewelt zurückziehen würden, und ihre Freitag- und Samstagabende (ich meine, das sind für Jugendlich einfach Ausgehabende) einsperren und via ICQ kommunizieren (können die sich nicht treffen? Das muss ja kein Saufgelage sein, ein Café im Café, oder eine Cola in einer Bar sind gemeint), um zu reden? Aber irgendwie haben sie Angst vor der Welt draußen, vor dem kontakt mit richtigen Menschen und vor direkter Konfrontation.

    Übrigens finde ich auch, dass Kinder in einer heilen Welt aufwachsen sollten. Es ist schrecklich für ein Kind, wenn die Eltern einen nicht ernst nehmen (ich bin hochbegabt und meinen altersgenossen immer vorraus, doch hat das nie jemand erkannt und ich wurde als frech beschimpft) weil sie denken, du redest irgendeinen unsinn-
    -_-

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  2. Ich danke dir für deinen Kommentar und stimme dir vollkommen zu. Es scheint, als hätte die Welt Angst vor Kommunikation. Vor der wirklichen, realen Kommunikation, von Angesicht zu Angesicht. Wozu auch noch jemanden ansprechen, wenn man ihn einfach in sozialen Netzwerken adden kann? Wozu treffen und reden, wenn man auch schnell eine Mail tippen und nur auf "Senden" klicken braucht?

    Was die Kindheit betrifft, hast du natürlich ebenfalls vollkommen recht und es tut mir leid zu hören, dass du aufgrund deiner Hochbegabung Nachteile erfahren musstest.

    Ganz lieben Gruß.

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