Sonntag, 16. Januar 2011

Das wahre Gesicht

Sie schaute ihm ins Gesicht. Krampfhaft versuchte sie daraus zu lesen. Was dachte er wohl in diesem Moment? Was fühlte er in dieser Sekunde? Welche Sprache sprach sein Herz in jener Nacht?

Sie wollte es unbedingt wissen. Sie will es noch immer wissen. Doch sie scheiterte. Und das Scheitern ist etwas, was ihr auch in Zukunft nicht erspart bleiben wird.
Denn der Mann, den sie liebt, trägt eine Maske. 
Und sein wahres Gesicht bleibt ihr verborgen.
Immer wieder fragt sie sich, wer der Mann ist, den sie so innig zu lieben glaubt?
Was ist er für ein Mensch? An was glaubt er? An was zweifelt er? Auf was hofft sein Herz?

Was verbirgt sich hinter dem Mann mit der Maske? Ist er in Wahrheit ein gefühlvoller, sensibler Mensch? Fühlt er vielleicht sogar die gleichen Ängste und Sorgen wie sie?
Hat er ähnliche Träume und Hoffnungen? 
Was verbirgt sich hinter dem Menschen, der sich so emotionslos zeigt? Hat er in Wahrheit eine verletzbare Seele? Fühlt er sich manchmal genauso zerbrechlich und schwach? 
Es sind soviele Fragen, die sie ihm stellen möchte. Doch sie weiß, dass sie keine Antwort erhalten wird. Denn er zieht seine Maske nicht ab. Nicht für sie. Stattdessen spielt er weiter sein Spiel, während sein wahres Ich im Dunkeln verborgen bleibt.
Und sie kann nur ahnen, was sich dahinter versteckt.
Sie hat keine Zweifel daran, dass er ein Mensch mit zwei Gesichtern ist.
Doch ist das wirklich so falsch?
Haben wir nicht alle zwei Gesichter?

Sei ehrlich zu dir. Wie oft hast du schon mit Erfolg versucht etwas zu sein, was du nicht bist? Wie oft standest du schon vor deinem Spiegel und hast dich gefragt, wer dieses Mädchen ist, welches dir dort mit einem Lächeln gegenüberstand?
Ist es ein echtes Lächeln gewesen? Ist es das Lächeln gewesen, was aus deinem Herzen kam? Oder war es nur das Lächeln deiner Maske? Der Maske, die du aufgesetzt hast, um deine wahren Gefühle zu verbergen. Die Maske, die dich vor der Welt schützen soll. Damit die Welt nicht sieht, wer du wirklich bist und was du ehrlich fühlst. Damit die Menschen nicht ahnen können, dass du heute nicht fröhlich bist. Die Maske, die dein Gesicht vor der Aussenwelt versteckt. Es ist dein Gesicht. Es ist dein wahres Gesicht.
Während das zweite Gesicht nichts weiter ist als eine Fassade. Die Fassade deiner selbst.

Du sagst, es geht dir gut. Obwohl es eine Lüge ist.
Du lächelst. Obwohl du schreien willst.
Du fängst an zu lachen. Obwohl du weinen willst.
Du zeigst dich kämpferisch. Obwohl du schon aufgegeben hast.
Du treibst deine Späße. Obwohl dich der Kummer quält.
Du freust dich über den Tag. Obwohl jede Stunde zur Last geworden ist.
Du zeigst der Welt dein Gesicht. Obwohl es nicht dein wahres Gesicht ist.

Sicherlich hat jeder von uns schonmal jemanden dargestellt, der er nicht ist. 
Ein fröhlicher Mensch vielleicht, während in unserem Inneren alles schreit.
Doch warum tun wir das? Warum können wir nicht einfach sein, wie wir sind?

Ich denke, den meisten Menschen fällt es sehr schwer zuzugeben, dass es ihnen schlecht geht. Dies ist nachvollziehbar. Dürfen wir es uns denn überhaupt noch erlauben, Schwäche zu zeigen? 
Dürfen wir unsere Tränen zeigen?  Dürfen wir der Welt offenbaren, dass unser Herz blutet? 



Sicherlich dürften wir das. Doch wir tun es nicht. 
Denn wir wollen stolz sein. 
Wir wollen stark sein. 
Wir wollen unsere zerbrechliche, verletzbare Seite vor der Welt verstecken. Denn zu oft haben wir das Gefühl, dass die Welt diese Seite nicht sehen will. Und nicht sehen darf.
Es wird erwartet, dass wir stark sind.
Wir sollen stark sein. 
Wir müssen stark sein. 
Und letztendlich sind wir das auch.

Und so setzen wir unsere Maske auf und gehen durch die Welt. 
Doch es gibt Menschen, für die es sich lohnt, die Maske fallen zu lassen. 
Und es gibt Menschen, die hinter unsere Fassade blicken und unsere wahren Gefühle erkennen können. Diese Menschen haben es verdient, dass wir ehrlich zu ihnen sind. Wir dürfen uns endlich fallen lassen und können so sein, wie wir wollen. Mit all den Gefühlen.
Es ist ein Zeichen von Stärke, auch mal Schwäche zeigen zu können. Zuzugeben, dass man nicht immer die starke Person ist, für die man stets gehalten wird. Zugeben, dass nicht immer alles perfekt ist. Zugeben, dass es noch ein zweites Gesicht gibt.

Denn das zeugt von wahrer Größe und Stärke.

Also, setz die Maske ab.

Lass mich nur einmal in deine Seele blicken. Nur dieses eine Mal. Zeig mir, wer du wirklich bist. Zeig mir, was du fühlst. Zeig mir, was du glaubst. Zeig mir, was dein Herz spricht.

Zeig es mir, dein wahres Gesicht.

Kommentare:

  1. du schreibst so toll und die bilder passen perfekt!!

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  2. Wow... Du hast echt Talent zu schreiben =) Ich könnte meine Gefühle nie so wundervoll in Worte verpacken - Chapeau!

    Bin über Ina's Aktion über Deinen Blog gestolpert, und er gefällt mir sehr. Schau doch mal bei mir vorbei? Werd dich auf jeden Fall direkt mal verfolgen =)

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  3. Vielen, vielen Dank an euch! ♥

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  4. wow klasse

    http://marmeladenglas-momente.blogspot.com/

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  5. Hi Sandra

    Wow, ich sehe deine Seite zum erstenmal und muss sagen sie gefällt mir sehr.
    Als ich diese Geschichte gelesen habe, dachte ich einfach nur "Sie ist mit vielen Emotionen verbunden, so toll, so erlich und einfach nur furchtbar schön." *__*

    Ich followere dich gleich mal. (:

    Lg Elynia

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  6. WOW .. ich bin fasziniert!
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  7. du hast soviel talent zum schreiben<3 und die bilder passen perfekt:) echt ein toller blog, du hättest noch viel mehr leser verdient. kannst ja auch mal auf meinem blog vorbei schauen: http://grinsen-hyperventilieren.blogspot.com/

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